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Musiker

Ron Carter

Ron Carter

geboren am 4.5.1937 in Ferndale, MI, USA

Links www.roncarter.net (Englisch)

Ron Carter

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Ron Carter (* 4. Mai 1937 in Ferndale (Michigan)) ist ein amerikanischer Jazz-Bassist, Cellist und Komponist. Mit der Beteiligung an mehr als 2.200 Alben ist er der meist aufgenommene Bassist in der Geschichte des Jazz.[1] Carter ist auch ein gefeierter Cellist. Der Jazzbassist Stanley Clarke sagte über Ron Carter: Man stelle sich vor, es gäbe keinen Ron Carter, dann gäbe es so viel weniger Kunst auf dieser Welt.[2]

Leben und Werk

Carter wurde in Ferndale, Michigan, geboren. Er begann im Alter von zehn Jahren Cello zu spielen, stieg aber nach einiger Zeit auf Bass um und lernte daneben noch Geige, Klarinette, Posaune und Tuba.[2] Er besuchte die Cass Technical High School in Detroit und später die Eastman School of Music in Rochester, wo er im Philharmonischen Orchester spielte. Er erwarb seinen Bachelor-Abschluss an der Eastman School of Music im Jahr 1959 und 1961 seinen Master-Abschluss für das Studium des Kontrabass-Spiels an der Manhattan School of Music.

In seinen ersten Jobs als Jazzmusiker spielte er zusammen mit Jaki Byard und Chico Hamilton. Seine ersten Alben nahm er im Jahr 1960 mit Eric Dolphy, einem weiteren ehemaligen Mitglied der Hamilton-Gruppe, und Don Ellis auf. Neben eigenen Aufnahmen als Leader am Bass mit Eric Dolphy und Mal Waldron spielte er auf Dolphys Album Out There mit George Duvivier und Roy Haynes als Cellist. Außerdem nahm er an Aufnahmen mit Cannonball Adderley, Bobby Timmons und Randy Weston teil.

Seine fortschrittlichen Harmonien und Konzepte standen im Einklang mit der Third Stream Bewegung. Obwohl er gelegentlich E-Bass spielte, konzentrierte er sich auf akustische Instrumente, darunter häufig einen auf c, g, d und a gestimmten Piccolo Bass, der ähnlich wie ein Cello klingt.

Einem größeren Publikum wurde Ron Carter durch seine Zusammenarbeit mit Gil Evans (Out of the Cool, 1960) bekannt. Carter kam durch seine Mitgliedschaft im zweiten Miles-Davis-Quintett zusammen mit Herbie Hancock, Wayne Shorter und Tony Williams zu Ruhm. Carter wurde im Jahr 1963 Mitglied bei Davis Quintett und erschien auf den Alben Seven Steps to Heaven, My Funny Valentine und dem Folgealbum E.S.P., wo er drei Kompositionen, Eighty-One, R.J. und Mood beisteuerte. Er ist außerdem auf den Alben Miles Smiles aus dem Jahr 1966, Nefertiti und Sorcerer sowie Miles in the Sky und Filles de Kilimanjaro zu hören. Neben seiner Teilnahmen an den Tourneen des Miles Davis Quintetts spielte er auf vielen weiteren, teils legendären Alben wie Herbie Hancocks Maiden Voyage mit.[2] Carter spielte auf einigen Alben von Williams und Shorter in den sechziger Jahren für Blue Note Records. Er blieb bei Davis bis 1968, als er ausstieg, um mehr vor Ort wirken zu können. Auch wenn Dave Holland ihn ablöste, beteiligte er sich in den Jahren 1969 und 1970 an einigen Studio-Sessions mit Davis. Ein weiteres Zusammenspiel mit Davis gab es 1986 zur Unterstützung einer Anti-Apartheid-Kampagne.[2]

Nachdem er das Quintett von Davis verlassen hatte, war Carter für mehrere Jahre die Hauptstütze für CTI Records, wo er sowohl Alben unter seinem eigenen Namen aufnahm als auch auf einer Palette von Alben anderer Musiker spielte. Bemerkenswerte musikalische Partnerschaften in den 1970er und 1980er Jahren bestanden mit Joe Henderson, Houston Person, Hank Jones und Cedar Walton. Carter spielte und produzierte mit Antônio Carlos Jobim, Stanley Turrentine, Stan Getz, Coleman Hawkins, Horace Silver, Kenny Burrell, Milt Jackson, Billy Cobham und vielen anderen bedeutenden Jazzmusikern. Während der 1970er Jahre war er Mitglied des New York Jazz Quartet.

Er trat als Sideman auf vielen Blue Note-Aufnahmen dieser Zeit auf, etwa bei Sam Rivers, Freddie Hubbard, Duke Pearson, Lee Morgan, McCoy Tyner Andrew Hill, Horace Silver und anderen. Carter war auch Mitglied des im Jahr 1976 von Hancock gegründeten Quintetts V.S.O.P. und erschien auf dem gleichnamigen, beim Newport Festival aufgenommenen Live-Album V.S.O.P., dem Album Live Under The Sky aus dem Jahr 1979 sowie in den neunziger Jahren auf dem Album A Tribute To Miles Davis.

Als Bandleader spielte Ron Carter mehr als 20 Alben ein. Ebenso ist er zu hören auf dem einflussreichen Album The Low End Theory der alternativen Hip-Hop-Band A Tribe Called Quest. Im Jahr 1994 erschien Carter auf der Compilation Stolen Moments: Red Hot + Cool der Red Hot Organization, einer internationalen Organisation, die sich der Bekämpfung der Verbreitung von AIDS mit den Mitteln der Popkultur verschrieben hat. Das Album wurde vom Time Magazine als Album des Jahres ausgezeichnet. Im Jahr 2001 arbeitete Carter mit Black Star und John Patton an der Aufnahme von Money Jungle für eine weitere Compilation, Red Hot + Indigo, einer Hommage an Duke Ellington. Seit 2010 spielt er mit zwei unterschiedlichen Formationen unter den Namen Golden Striker Trio and Foursight Quartet.

Carter gilt als einfallsreicher Improvisator. Er erschloss sich auch das Violoncello, den E-Bass und wirkte an der Konstruktion eines Piccolo-Basses mit. Sein Bass-Kollege Reggie Workman würdigte, dass Carter „das von Monk Montgomery und Oscar Pettiford begründete Konzept des Basses als Frontline-Instrument weiterentwickelte.“[2] Carter hatte 1996 einen bemerkenswerten Auftritt in Robert Altmans Film Kansas City. Der Abspann zeigt ihn und Christian McBride beim Duett auf Solitude. Carter erschien als er selbst in einer Episode der HBO-Serie Treme mit dem Titel What Is New Orleans. Er erhielt als Mitglied der Miles Davis Tribute Band im Jahr 1993 einen Grammy in der Kategorie „Beste Jazzgruppe“.[2]

Carter ist Distinguished Professor Emeritus der Musikfakultät des City College of New York, wo er 20 Jahre lehrte[3]. Weiter lehrte er an der Eastman School of Music in Rochester im US-Bundesstaat New York. Er wurde 2008 Mitglied der Fakultät der Juilliard School in New York City, wo er Bass an der Schule für Jazz lehrte. Auch als Autor von Jazzbüchern war Carter erfolgreich; sein Buch Building a Jazz Bass Line entwickelt sich zum Standardwerk für fortgeschrittene Jazzbassisten. Er erhielt die Ehrendoktorwürden des New England Conservatory of Music und der Manhattan School of Music.[4]

Ron Carter ist Mitglied im beratenden Ausschuss des Verwaltungsrats der Jazz Foundation of America sowie im Honorary Founder's Committee. Carter arbeitete mit der Jazz Foundation seit ihrer Gründung daran, ältere US-amerikanische Jazz- und Blues-Musikern zu unterstützen.[5]

Diskografie (Auszug)

Alben unter eigenem Namen (Auszug)

  • Where? (1961), Prestige Records
  • Uptown Conversation (1970), Embryo Records
  • All Blues (1973), CTI Records
  • Blues Farm (1973), CTI Records
  • Third Plane (1977), Milestone Records – mit Herbie Hancock und Tony Williams
  • Piccolo (1977), Milestone Records – Live aus dem „Sweet Brazil“, New York
  • Parade (1979), Milestone Records – mit Joe Henderson, Chick Corea, Tony Williams and more
  • New York Slick (1980), Milestone Records
  • The Bass and I (1997), Blue Note Records
  • Orfeu (1999), Blue Note Records
  • Stardust (2002), Blue Note Records
  • The Golden Striker (2003), Blue Note Records
  • Dear Miles (2007), Blue Note Records
  • Jazz and Bossa (2008), Blue Note Records
  • Ron Carter’s Great Big Band (2011), Sunnyside
  • Ron Carter And The WDR Big Band: My Personal Songbook (2014), In and Out Records

Alben als Bandmitglied (Auswahl)

  • Donald ByrdElectric Byrd (1970)
  • Billy Cobham – Spectrum (1973)
  • Miles Davis – Quiet Nights (1962), Four and More, My Funny Valentine, Live At the Plugged Nickel, Miles Smiles, E.S.P., Nefertiti, Miles In the Sky, Seven Steps to Heaven, The Sorcerer, Water Babies
  • Eric DolphyOut There (1960)
  • Roberta FlackFirst Take (1970), Quiet Fire (1971), Killing Me Softly (1973)
  • Jim HallConcierto (1975)
  • Herbie Hancock – Empyrean Isles, Maiden Voyage, Speak Like A Child, V.S.O.P., Third Plane
  • Herbie Hancock, Wayne Shorter, Ron Carter, Tony Williams, Wallace Roney: A Tribute to Miles (1992)
  • Joe Henderson – Power to the People, Tetragon
  • Andrew HillGrass Roots, Lift Every Voice, Passing Ships
  • Freddie Hubbard – Red Clay (1970), Empyrean Isles, First Light
  • Bobby HutchersonComponents
  • Quincy JonesGula Matari (1970)
  • Wes MontgomerySo Much Guitar (1961), Tequila, California Dreaming
  • Oliver NelsonSound Pieces
  • Sam RiversFuchsia Swing Song, Contours
  • Archie SheppThe Way Ahead (1968)
  • Wayne Shorter – Speak No Evil (1964), The All Seeing Eye
  • McCoy Tyner – The Real McCoy, Expansions, Trident, Counterpoints, Supertrios, Extensions (1970)

Literatur

  • Ian Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zur Jazzmusik. 1700 Künstler und Bands von den Anfängen bis heute. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01584-X.
  • Leonard Feather, Ira Gitler: The Biographical Encyclopedia of Jazz. Oxford University Press, New York 1999, ISBN 0-19-532000-X.
  • Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Band 1: A–L (= rororo-Sachbuch. Bd. 16512). 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-16512-0.
  • Dan Ouellette (Mitautor und Hrsg. der Autobiografie): Ron Carter: Finding the Right Notes Artistshare 2009, ISBN 978-0-615-26526-1

Einzelnachweise

  1. Ron Carter earns world record as the most recorded jazz bassist in history (Guinness World Records)
  2. a b c d e f Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Band 1: A–L (= rororo-Sachbuch. Bd. 16512). 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-16512-0.
  3. Ron Carter Offizielle Website
  4. Biografie bei allaboutjazz.com
  5. Interview mit Herb Storfer, dem Präsidenten der Jazz Foundation of America (Memento vom 19. Oktober 2006 im Internet Archive)

Weblinks

 Commons: Ron Carter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Diese Seite wurde zuletzt geändert am 19.10.2018 11:41:45

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