Aktuelles

Fokus

Radio Swiss Jazz Evergreens: «Summertime»

Der Komponist George Gershwin, einer der Schöpfer der Oper «Porgy And Bess» mit dem Song «Summertime». - Quelle: Elisabeth von Känel Der Komponist George Gershwin, einer der Schöpfer der Oper «Porgy And Bess» mit dem Song «Summertime». (Quelle: Elisabeth von Känel)

Radio Swiss Jazz stellt regelmässig berühmte Jazzstandards vor, die im Verlauf der Jazzgeschichte in zig-facher Interpretation von verschiedenen Künstlern auf Tonträger aufgenommen und öffentlich gespielt wurden. Und oft sind Komponist, Texter, Entstehung und Herkunft dem Publikum wenig bekannt. Zu diesen Evergreens aus dem «Great American Songbook» gehört auch «Summertime». Der Song ist einer der am häufigsten gecoverten der Welt und stammt eigentlich aus einer Oper.

Von Gregor Loepfe

Die Komposition «Summertime» gehört zur 1935 uraufgeführten Volksoper «Porgy And Bess». Geschrieben wurde sie vom amerikanischen Komponisten George Gershwin. Die Textvorlage in Form eines Bühnenromans stammt von DuBose Heyward. Für das Libretto sorgten Heyward selbst und Georges Bruder Ira Gershwin. Geschildert wird das Leben von Afroamerikanern in der Schwarzensiedlung Catfish Row in Charleston im Bundesstaat South Carolina. Gershwin selbst legte grossen Wert darauf, dass es sich bei seiner Komposition um eine Oper handelt und nicht um ein Musical.

Ein ukrainisches Wiegenlied lieferte die Idee

«Summertime» war der erste Song für die Oper «Porgy And Bess» und Gershwin hatte ihn bereits 1934 fertiggestellt. Die Idee für die Melodie kam ihm 1926, als er den ukrainischen Nationalchor das Wiegenlied «Ein Traum geht am Fenster vorüber» singen hörte. Dieses Lied beginnt wie «Summertime» mit einem nahezu identischen melodischen Element. Der Song «Summertime» kommt in der Oper mehrfach und in allen drei Akten vor. Gleich in der Eröffnungsszene erklingt er erstmals, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner der Catfish Row in ihrer Strasse am Sommerabend zu Klaviermusik tanzen. Clara, eine junge schwarze Mutter, singt das Lied ihrem Kind zum Einschlafen vor.

Die Kürze und Schlichtheit machen es aus

Wer jetzt denkt, «Summertime» hätte eine besonders reichhaltige Melodie und eine farbige Harmonik, der liegt falsch. Denn Einfachheit und Überschaubarkeit sind oft ein Grund, dass Kompositionen unsterblich werden. Und so ist es auch im Falle von «Summertime». Das Thema mit schlichter Melodie dauert 16 Takte, steht in Moll und rutscht im zweiten Teil kurz nach Dur. Es bleibt aber streng genommen in der gleichen Tonart und besteht aus einfachen Harmoniefortschreitungen. Die Melodie ist vor allem dank des prägnanten, melodischen Kopfmotivs gut erkennbar.

Die berühmten Versionen

Die erste Aufnahme ausserhalb des Opernkontexts stammt von der Sängerin Billie Holiday. Sie nahm den Song 1936 auf und gestaltete die Originalmelodie mit improvisatorischen Freiheiten, Bluesfärbungen und typischer Jazzphrasierung. Weitere wichtige Versionen stammen von Sidney Bechet, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong, Miles Davis, John Coltrane und sogar von den Beatles und Janis Joplin. Die internationale Gesellschaft «The Summertime Connection» sammelt und inventarisiert die verschiedenen bekannten und registrierten Coverversionen. Im Juni 2017 wurden knapp 67'600 komplette Aufnahmen des Liedes gezählt, das in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde. Allein schon diese Zahlen machen «Summertime» unsterblich und zu einem Markstein in der Jazzgeschichte.

Interpretationen im Programm von Radio Swiss Jazz

Vom Titel «Summertime» finden sich zahlreiche Versionen in unserem Programm. Da wären die klassischen und schlichten mit Alexia Gardner, Christina Jaccard und der ATJ Group feat. Rebecca Spiteri. Letztere beiden Fassungen stammen aus der Schweiz. Mit der grossen Kelle wird bei Miles Davis mit dem Gil Evans Orchestra und Chet Baker mit der NDR Big Band und dem Radio Orchester Hannover angerührt. Kräftig und instrumental geht es bei Charlie Antolini & Max Neissendorfer zu und her. Mit lateinamerikanischer Leichtigkeit klingt es bei L.A. Four und Ray Barretto. Im New-Orleans-Stil spielen die Only Blue Stompers und die Cosa Nostra Jazzband, und eine Bluesversion liefern schliesslich LL & The Shuffle Kings.


Möchten Sie regelmässig über Neuigkeiten rund um Radio Swiss Jazz informiert werden? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!

abonnieren

Folgen Sie dem Radio Swiss Jazz On-air-Service