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Mit Wanderschuhen und Rucksack zum Jazzkonzert

Das «Cosmojazz Festival» am Fusse des Mont Blanc bietet «hochgelegenen» Musikgenuss und Natur pur. - Quelle: Christophe Boillon Das «Cosmojazz Festival» am Fusse des Mont Blanc bietet «hochgelegenen» Musikgenuss und Natur pur. (Quelle: Christophe Boillon)

Bei der Wahl der Spielorte werden die Veranstalter von Musikfestivals immer kreativer. Es gibt zum Beispiel Konzerte in stillgelegten Bergwerken wie dem Landesplattenberg in Engi im Glarnerland. Ein Getränkehersteller liess unlängst Schweizer Musiker in verschiedenen Seilbahnen auftreten. Und der Stargeiger Nigel Kennedy gab sogar einst ein Konzert im Kühlturm des Kernkraftwerks im deutschen Hamm. Seit 2010 gibt es das «Cosmojazz Festival» in den schweizerisch-französischen Alpen. Da wandert man für den Konzertgenuss zuerst nach oben zu einer alpinen Geröllhalde über der Baumgrenze.

von Gregor Loepfe

Das «Cosmojazz Festival» findet im Vallée du Trient und im Vallée de Chamonix zwischen Martigny und Chamonix statt. Der berühmte französische Wintersportort ist Festivalzentrum. Eine Handvoll der Konzerte gehen auf Schweizer Boden über die Bühne – in der Nähe des Col de la Forclaz und beim Émosson-Stausee im Unterwallis. Das attraktive Konzept des Festivals: Musik unter freiem Himmel buchstäblich mitten in einer wilden, imposanten alpinen Bergwelt. Denn an die meisten Konzertorte gelangt man nur mit einer Wanderung. Die Konzertplätze sind an Attraktivität und Schönheit kaum zu überbieten. Über der Baumgrenze geniesst man in der Nähe eines Gletschers, unter einer Felswand, auf einem Hochplateau oder auf einer Geröllhalde Konzerte mit grossartigen Künstlern aus den Sparten Jazz und Weltmusik.

Bühne und Technik werden zu Fuss hinaufgeschleppt

Für den Transport des Flügels muss ein Helikopter her. - Quelle: Christophe Boillon Für den Transport des Flügels muss ein Helikopter her. (Quelle: Christophe Boillon)

«Zu den exponierten Konzertorten wandert man zwei Stunden bergauf. Da muss man sich das Konzert dann schon verdienen», sagt Carine Zuber, Mitinitiantin des Festivals und künstlerische Leiterin des Jazzclubs Moods in Zürich. «Und das Ergebnis ist sehr speziell, weil Künstler und Publikum so ein ganz anderes Verhältnis zum Konzert bekommen – nur schon wegen der grandiosen Natur», meint sie ergänzend. Viele der Konzerte sind rein akustisch, andere, wie jene in der Nähe einer Bergstation oder bei einem Staudamm, lassen sich mit Strom versorgen. Die Bühnenelemente und die Technik werden von freiwilligen Helfern hochgefahren oder -getragen. Der Flügel kommt per Helikopter, sofern es das Wetter erlaubt. Letzteres ist die grosse Unbekannte. Häufig muss kurzfristig und nach Konsultation nationaler Wetterdienste entschieden werden, ob ein Konzert doch im Tal unter Dach stattfindet.

Spielen zwischen Felswänden und neben Gletscherzungen ist nicht «jedermusikers» Sache

Die Cellistin Leyla McCalla tritt mit ihrer Band in diesem Jahr auf dem Plateau de Lognan auf 2000 Metern Höhe auf. - Quelle: cosmojazzfestival.com Die Cellistin Leyla McCalla tritt mit ihrer Band in diesem Jahr auf dem Plateau de Lognan auf 2000 Metern Höhe auf. (Quelle: cosmojazzfestival.com)

Bei den eingeladenen Musikern wird im Voraus die Höhenangst abgeklärt. Bands aus Afrika hätten sich auch schon geweigert, eine Gondel zu besteigen. «Die grosse Höhe kann für Gesang oder ein Blasinstrument schwierig werden», meint Zuber. «Die Konzertorte haben wir beim Wandern gefunden. Es braucht vorzugsweise einen Platz mit einer Felswand zum Schutz und für eine optimale Akustik, mit wenig Wind und einer ebenen Fläche. Und er sollte auch für weniger geübte Bergsteiger erreichbar sein».
Ein Lieblingswort des Pianisten und Mitbegründers André Manoukian gab dem Festival seinen Namen: «cosmique», Ausdruck für etwas Grossartiges. Ausserdem gibt es bei der Aiguille du Midi im Mont-Blanc-Massiv eine berühmte Bergsteigerroute mit dem Namen «kosmischer Grat». Die bisherigen Künstler des Festivals bilden eine illustre Reihe internationaler Stars. In den letzten Jahren gehörten neben weiteren Youn Sun Nah und Ulf Wakenius, Yaron Herman, Iiro Rantala, Blick Bassy, Trilok Gurtu sowie Dhafer Youssef, in diesem Jahr Renaud Garcia-Fons und Leyla McCalla dazu. Daneben wurden vor allem auch Bands aus Frankreich und der Westschweiz eingeladen: Erik Truffaz, Elina Duni, das Florian Favre Trio, Julian Sartorius, Erika Stucky, Émile Parisien und Vincent Peirani.
Die Konzerte finden vom 22. bis 30. Juli 2017 in der Regel zwischen 11 und 16 Uhr statt, während der Betriebszeiten der Bergbahnen. Tagsüber ist auch das Gewitterrisiko noch nicht hoch. Hoch oben angesiedelt sind aber die Musikbühnen und die Begeisterung aller Beteiligten. Und regnet es dennoch einmal, wird in eine Kirche oder in einen Saal in der nahen Umgebung oder ins Kongresszentrum Majestic nach Chamonix ausgewichen. Darüber wird jeweils am Morgen des Konzerts via Webseite und Facebook informiert.

Details zum Festival


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