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Swiss Jazz Award Gewinner Bruno Spoerri – Amateur und Profi zugleich

Der Schweizer Saxofonist Bruno Spoerri wurde in Ascona für seine mehr als 60-jährige Musikerkarriere mit dem Swiss Jazz Award 2017 geehrt. - Quelle: Massimo Pedrazzini Der Schweizer Saxofonist Bruno Spoerri wurde in Ascona für seine mehr als 60-jährige Musikerkarriere mit dem Swiss Jazz Award 2017 geehrt. (Quelle: Massimo Pedrazzini)

Die Fülle seiner Tätigkeiten lässt sich in einem einzelnen Leben eigentlich gar nicht unterbringen. Und auf vielen Gebieten gilt er als Pionier. Der 81-jährige Saxofonist, Komponist, Tontüftler und Jazzhistoriker Bruno Spoerri gehörte zu den ersten modernen Jazzmusikern der Schweiz. Und er war auch einer der Ersten, der sich beim Komponieren und Spielen mit elektronischen Klängen beschäftigte. Am 25. Juni durfte Spoerri in Ascona den Swiss Jazz Award 2017 für sein Lebenswerk entgegennehmen.

von Gregor Loepfe

«Ich habe mich natürlich gefreut, habe es nicht erwartet und war sehr überrascht», so Spoerris Reaktion auf den Gewinn des Swiss Jazz Award, der vor 10 Jahren von Radio Swiss Jazz mitbegründet wurde. Eine schöne Anerkennung sei es, die einen aber auch ans eigene fortgeschrittene Alter erinnere. Bruno Spoerri bleibt voller Erfindergeist, Neugierde und Tatendrang. Am diesjährigen Jazzfestival in Ascona gestaltet er mit seinem Sextett Bruno Spoerri & Crew On The Way einen eigenen Konzertabend. Sein Kommentar zum Bandnamen: «Ich fühle mich eben immer noch on the way».

Schweizer Jazzmusiker der ersten Stunde

In seiner Musikerlaufbahn brachte sich Bruno Spoerri das meiste selbst bei. Jazzschulen gab es in seiner Jugendzeit noch keine. - Quelle: Bruno Spoerri In seiner Musikerlaufbahn brachte sich Bruno Spoerri das meiste selbst bei. Jazzschulen gab es in seiner Jugendzeit noch keine. (Quelle: Bruno Spoerri)

In den 1950er-Jahren setzte sich Spoerri als einer der ersten Schweizer Jazzer mit den modernen Jazzströmungen aus den USA, dem Bebop und dem Cool Jazz, auseinander. Bereits als Student spielte er im Metronome Quintet und tourte mit der Modern Jazz Group Freiburg. Später stand er mit Clark Terry, Albert Mangelsdorff, Lee Konitz und auch mit Dollar Brand im Zürcher Club Africana auf der Bühne. Und das Erstaunliche dabei ist: Bruno Spoerri liess sich zur selben Zeit an der Universität zum Psychologen mit Diplomabschluss ausbilden. Als Saxofonist und Jazzer fühle er sich immer noch als Amateurmusiker: «Ich habe nie vom Jazz gelebt, sondern immer von allem anderen. Das Andere hat meinen Jazz quersubventioniert».

Das Andere: Eintauchen in die Welt der elektronischen Musik

Bruno Spoerri experimentierte früh mit technischen Geräten. - Quelle: Bruno Spoerri Bruno Spoerri experimentierte früh mit technischen Geräten. (Quelle: Bruno Spoerri)

1965 erhielt Spoerri den Auftrag, Musik für Werbefilme zu schreiben und wurde von einer Zürcher Filmproduktionsfirma als Tongestalter engagiert. Mit Elan widmete er sich der neuen Aufgabe und «wollte anders klingen und etwas anderes machen als die andern». Er begann schon bald mit der «Musique concrète», den «Ondes Martenot», einem der ersten elektronischen Instrumente, und frühen Synthesizern zu experimentieren. «Das meiste, was ich gemacht habe, habe ich nicht gelernt», gibt Spoerri zu. Für jedes Problem musste er irgendeine Lösung finden, rutschte tiefer in die elektronische Szene hinein und war von ihr fasziniert. Ab 1967 arbeitete er als freischaffender Komponist und Tonmeister. Das Konzertieren blieb aber ein fester Bestandteil seines Tuns, zunehmend in Verbindung mit Elektronik. «Computer Aided Jazz» nennt er seine Musik. Es ist eine Mischung aus Tradition und Free-Jazz-Elementen. Spoerri ist es wichtig, trotz Computereinsatz aktiv zu agieren. «Die Leute, die passiv hinter dem Computer sitzen, bieten dem Publikum nichts. Dieses hat ein Recht darauf zu spüren, dass die Musik im Moment gemacht wird. Ich habe immer versucht, alles selbst mit Gesten steuern zu können».

Und dann war da noch ein Rapper namens Jay Z

Vor zwei Jahren gewann Spoerri eine juristische Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Rapper Jay Z. Es ging um einen Plagiatsvorwurf. Jay Z verwendete eine kurze Sequenz aus Spoerris Stück «On The Way» aus dem Album «Glückskugel» aus den 1970er-Jahren. «Es war eine belanglose Begleitfigur für eine Filmmusik. Ich habe keine Ahnung, wie die darauf gestossen sind», sagt Spoerri. Man einigte sich auf die Hälfte der Tantiemen. Spoerri kam zu internationalem Ruhm und der Geldsegen verhalf ihm zum neuen Album «Memories». Den Satz auf dem Plattencover «This edition was made possible through the generous financial help of Mr. Jay Z» konnte sich Spoerri nicht verkneifen.

Weitere Konzerte und ein Beitrag zur Jazzgeschichte

Bruno Spoerri mit seinem «Computer Aided Jazz»-Setting im Duo mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius. - Quelle: Bruno Spoerri Bruno Spoerri mit seinem «Computer Aided Jazz»-Setting im Duo mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius. (Quelle: Bruno Spoerri)

Für die Zukunft plant Spoerri weitere Auftritte mit seinem Sextett, aber auch Konzerte mit verschiedenen Duopartnern wie etwa Julian Sartorius. Viele Jahre lang engagierte sich Spoerri auch als Jazzhistoriker und Dozent an der Hochschule Luzern. Die Schweizerische Nationalphonothek stellt gerade Spoerris gesammelte Biografien Schweizer Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker online, die 2005 bei dessen Arbeit zur Jazz-Enzyklopädie «Jazz in der Schweiz» entstanden sind. Möge ihm der Swiss Jazz Award Antrieb für weitere Pionierleistungen sein!

Bruno Spoerri im Programm von Radio Swiss Jazz
Swiss Jazz Award Night mit Bruno Spoerri in Ascona
Website Swiss Jazz Award


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