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Roman Schwaller – moderner Straight Ahead Jazz aus dem Osten

Der Frauenfelder Tenorsaxofonist Roman Schwaller gilt als Schwergewicht des modernen Straight Ahead Jazz in Europa. - Quelle: Gerhard Richter Der Frauenfelder Tenorsaxofonist Roman Schwaller gilt als Schwergewicht des modernen Straight Ahead Jazz in Europa. (Quelle: Gerhard Richter)

Oft sind es die prägenden Begegnungen mit einem Idol oder einem Mentor, die eine Künstlerbiografie nachhaltig beeinflussen. Beim Schweizer Tenorsaxofonisten Roman Schwaller aus Frauenfeld war es ein Konzert des Überpianisten Oscar Peterson mit seinem Trio im Fernsehen. So geschehen am 19. Juni 1971, ein Datum, an das sich Schwaller genau erinnert. Er war damals 14 Jahre alt. Danach packte ihn der Jazzvirus und liess ihn nicht mehr los. Roman Schwaller gehört heute zu den wichtigsten Vertretern des Straight Ahead Jazz in Europa. Im Januar feierte er seinen 60. Geburtstag.

von Gregor Loepfe

Das Konzert von Oscar Peterson, wenn auch nur am Fernseher mitverfolgt, muss beim jungen Klarinettenschüler eingeschlagen haben wie eine Bombe. Das prägende Ereignis hat Schwallers Entschluss, den Weg als Berufsmusiker einzuschlagen, wesentlich beeinflusst. Nach einem klassischen Klarinettenstudium am Winterthurer Konservatorium studierte Schwaller an der Swiss Jazz School in Bern bei Heinz Bigler und Andy Scherrer. Bereits mit 20 Jahren, während der Rekrutenschule, spielte er als bis heute jüngster Gast mit dem Jazz Live Trio und dem Pianisten Klaus Koenig am damaligen Radio DRS 2 und tourte mit Joe Haider und Dusko Goykovich auf Konzerten durch Deutschland.

Auf ins musikalische Abenteuer nach New York

Roman Schwaller - Quelle: Gerhard Richter Roman Schwaller (Quelle: Gerhard Richter)

Im zarten Alter von 22 Jahren entschied sich Schwaller zu einem Studienaufenthalt in New York. Der musikalische Überlebenskampf im Big Apple ist nichts für Zartbesaitete. Aber der junge Musiker aus der Ostschweiz brachte genug Talent und Vertrauen mit, um dort bestehen zu können. «Da musste man einfach hin, wenn man sich messen wollte. Ich wollte genau wissen, wo ich stehe und hatte den Mut dazu, es herauszufinden», meint Schwaller dazu. Und in New York nahm er gleich auch noch sein erstes Album unter eigenem Namen auf. Das tat er mit keinen Geringeren als dem Bassisten Marc Johnson, damals in Diensten von Bill Evans, und dem Pianisten Don Friedman. Nach einem halben Jahr war aber Schluss mit dem Übersee-Abenteuer, denn Schwaller «wollte das aufgenommene Material in Europa herausbringen. Und dann kam auch noch die Einladung des Vienna Art Orchestra».

Wien und das Engagement beim Vienna Art Orchestra

Im Jahr 1979 begannen Schwallers Kontakte zur Wiener Jazzszene. Er wurde Mitglied im vom Schweizer Mathias Rüegg gegründeten Vienna Art Orchestra und blieb bis 1989. Seit den 1970er-Jahren kam Schwaller so mit experimentellen Jazzströmungen in Berührung und spielte damals auch selbst in einer Free Jazz Band. In Österreichs Hauptstadt amtet er noch heute als Professor und Studiengangsleiter Jazz an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Nach einer dreijährigen Festanstellung als Saxofonist in der NDR Big Band wirkt Schwaller seit 1993 wieder als freischaffender Musiker und Bandleader seines Quartetts mit Oliver Kent, Thomas Stabenow und Mario Gonzi. Die beiden Bläser Derrick Gardner und Adrian Mears erweitern es jeweils zum Sextett. In seinen eigenen Projekten widmet sich Schwaller mit Leib und Seele dem modernen Straight Ahead Jazz. Mit grösster Intensität versteht er es, sehr schnelle und sinnvolle Töne zu spielen, gleichzeitig aber auch, ein wunderbares Solo über eine Ballade zu gestalten.

Intendanz beim Festival «Generations» in Frauenfeld

Schwaller (rechts) bei der Begrüssung der Teilnehmer an der Masterclass 2008. - Quelle: generations.ch Schwaller (rechts) bei der Begrüssung der Teilnehmer an der Masterclass 2008. (Quelle: generations.ch)

Musikalische Weggefährten lädt Roman Schwaller gerne an «sein» Festival nach Frauenfeld ein. Der Anlass findet alle zwei Jahre statt und fusst auf drei Säulen: hochdotierte Jazzkonzerte, eine abendliche Clubszene mit Jamsessions und eine Masterclass mit erstklassigen Dozenten für den Austausch zwischen den Generationen. In den letzten Jahren gehörten zum erlesenen Dozentenkreis auch Benny Golson, Cedar Walton und Lewis Nash. Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau führte 1998 das Festival erstmals durch und gleich von Beginn weg amtete Schwaller als künstlerischer Leiter. Frauenfeld wurde damals wieder zu einem seiner festen Wohnsitze. Die enge Verbundenheit mit dem Heimatkanton zeigt sich auch in der 2005 geschriebenen Komposition «Thurgovian Suite», einer mehrsätzigen Jazzsuite, die auf humoristische Weise Ereignisse aus Schwallers Jugend musikalisch nachzeichnet.

Roman Schwaller im Programm von Radio Swiss Jazz


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